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Tausende Menschen haben heute in Madrid trotz Schikanen der Behörden, Übergriffen der Polizei und gestern bekanntgewordenen Attentatsdrohungen gegen die Verwendung öffentlicher Gelder für den katholischen »Weltjugendtag« und den am morgigen Donnerstag beginnenden Papstbesuch in der spanischen Hauptstadt demonstriert. Schätzungen zufolge sollen etwa 50 Millionen Euro aus den leeren öffentlichen Kassen des spanischen Staates für die Durchführung des missionarischen Events aufgewendet werden, während auch in Spanien die Zahl der Katholiken zurückgeht. Im einst tief religiösen Spanien ist die Zahl der Einwohner, die sich selbst noch als katholisch bezeichnen, von 82,1 Prozent im Jahr 2001 auf mittlerweile 71,7 Prozent zurückgegangen. Nur noch 13 Prozent von ihnen besuchen am Sonntag die Messe, vor zehn Jahren waren dies noch 19 Prozent.
Der Demonstrationszug sollte zur zentral gelegenen Puerta del Sol führen, wo der lange Marsch auch am späten Abend ankam. Der Platz war jedoch von der Polizei abgeriegelt, die dies mit einer Gegendemonstration religiöser »Pilger« gegen den laizistischen Protest begründete. Statt gegen die nicht angemeldete Provokation der Katholiken vorzugehen, gingen die Beamten gewaltsam gegen die genehmigte Demonstration vor, zu der linke Parteien, Gewerkschaften, feministischen Gruppen, Freidenkervereinigungen und die Bewegung der »Empörten« aufgerufen hatten. Bilder des spanischen Fernsehens RTVE zeigten immer wieder Polizisten in Bürgerkriegsmontur, die auch offensichtlich friedliche Demonstranten und Passanten von der Puerta del Sol vertrieben und offenbar auch abführten, während eine starke Kette von Beamten den Zug blockierte. Die so aufgehaltenen Menschen riefen immer wieder den seit dem 15. Mai populären Sprechchor der Empörten: »Sie nennen es Demokratie, aber es ist keine!«
Am Vortag hatte die Polizei offenbar einen Anschlag auf die heutige Demonstration vereitelt. Wie die Policía Nacional in der Nacht zum Mittwoch mitteilte, wurde »eine Person« festgenommen, die mit »Giftgas und anderen chemischen Substanzen« einen Angriff auf die laizistische Großdemonstration vorbereitet habe. Dabei soll es sich um einen 24jährigen Mexikaner handeln, der am Institut für organische Chemie beim Obersten Rat für wissenschaftliche Forschung in Madrid studierte und sich als freiwilliger Helfer zum »Weltjugendtag« gemeldet hatte. In seiner Wohnung seien bei einer Hausdurchsuchung Notizblöcke und Computer mit Aufzeichnungen über chemische Prozesse gefunden worden, »die nichts mit dem Objekt seiner Forschungen zu tun« gehabt hätten, wie die Polizei in ihrer Pressemitteilung bekanntgab.
Das spanische Fernsehen RTVE berichtete heute abend, der Hass des Verdächtigen habe sich vor allem gegen Schwule gerichtet. Im Internet habe er immer wieder angekündigt, Homosexuelle umbringen zu wollen und auch geschrieben, über welche Chemikalien er für die Durchführung seines Verbrechens bereits verfüge. RTVE hob in diesem Zusammenhang hervor, dass es sich unter anderem um die selben Substanzen gehandelt habe, die auch der faschistische Massenmörder Anders Behring Breivik bei seinen Anschlägen in Norwegen benutzt habe.
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