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Blockade statt warmer Worte | Drucken |  E-Mail
Umwelt (GreenGlobe)
Montag, den 28. November 2011 um 16:31 Uhr

Blockade von X-tausendmal quer. Foto: cephir / flickr.comWährend im Bahnhof Dannenberg die Castorbehälter mit dem radioaktiven Atommüll umgeladen werden, ist die Straße vor dem westlichen Ortseingang von Gorleben seit mehr als 25 Stunden von 1.000 Atomkraftgegner/innen besetzt. Die Polizei hatte bereits am gestrigen Sonntag die Sitzblockierer dreimal aufgefordert, die Straße zu verlassen. Es ist zu erwarten, dass die Polizei die Blockade zu räumen versucht, bevor die Castor-Behälter vollständig auf Lkw verladen sind. Trotzdem stellt sich in der Blockade Alltag ein. Es gibt Essen, die Leute halten sich mit Spielen wahr. Die Aktiven haben sich in Bezugsgruppen organisiert, sie haben die Nacht auf Strohsäcken und an Feuertonnen, unter Plastikplanen und in ihren Schlafsäcken verbracht. Auf einen Polizeieinsatz bereiten sie sich mit Trainings in gewaltfreiem Handeln vor. Über der Blockade haben Kletteraktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood Seile gespannt.

Luise Neumann-Cosel, Pressesprecherin der die Blockade organisierenden Kampagne X-tausendmal quer, erklärt: »Wir protestieren mit unserer gewaltfreien Sitzblockade entschieden gegen die Atomkraft und gegen die Fortsetzung der Gorleben-Erkundung. Die Stärke des Protests hat gezeigt, dass das Thema Atomenergie noch lange nicht durch ist. Wir vertrauen nicht darauf, dass die noch laufenden Atomkraftwerke tatsächlich abgeschaltet werden. Jeder Tag AKW-Betrieb ist einer zu viel - auch, weil immer weiter Atommüll produziert wird, für den es kein Endlager gibt. In Gorleben darf dieser Strahlenmüll nicht landen. Unsere Blockade ist bunt und kreativ, aber auch ernst, denn wir sitzen hier aus Sorge um unsere Zukunft und die unserer Nachkommen.«

Die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt hat unterdessen eine erste Zwischenbilanz der diesjährigen Proteste im Wendland gezogen. Ihr Sprecher Jochen Stay hebt hervor, dass die Beteiligung an den Aktionen so gross ist wie im Rekordjahr 2010, in dem die Bundesregierung durch die damals geplante Verlängerung der AKW-Laufzeiten wesentlich zur Mobilisierung beigetragen hatte. In Gorleben habe sich seither real nichts geändert, so Stay. »Die Proteste zeigen, dass die Bevölkerung Norbert Röttgen die Tricksereien um eine weiße Landkarte nicht abnimmt. Ruhe wird erst einkehren, wenn der Standort endgültig aufgegeben ist.«

Nachdem es bereits unzählige Protest- und Blockadeaktionen entlang der gesamten Schienenstrecke gegeben hat, wird auch der anstehende Straßentransport nach Aussage von Stay von massiven Protesten Tausender Atomkraftgegner begleitet. In Anspielung auf die Äußerungen von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte Stay: »Der eigentliche Dank gilt dem lebendigen und ausdauernden Protest. Nur dieser sorgt dafür, dass die Bevölkerung in Deutschland dem Ende der Risikotechnologie Atomkraft und dem Aus für Gorleben einen Schritt näher kommt. Von McAllister wollen wir keine warmen Worte hören, sondern handfeste Taten sehen: Er muss sich in den Bund-Länder-Gesprächen dafür einsetzen, dass nicht noch mehr Geld im maroden Salzstock von Gorleben versenkt wird.«

Auch der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), in dem auch die BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg organisiert ist, hat den kreativen Anti-Castor-Widerstand im Wendland als »positives Zeichen des sozialpolitischen Ehrenamtes« gewürdigt und ruft zum weiteren Protest gegen den noch immer andauernden Castor-Atommüll-Transport nach Gorleben auf. Scharfe Kritik übt die Vereinigung an dem Vorgehen der Polizei, so an der Behinderung der Presse und an der Behandlung festgenommener Demonstrantinnen und Demonstranten. Der Rechtsanwalt der Anti-Atomkraft-Kletterexpertin Cecile Lecomte berichtete Castorticker.de zufolge, diese befinde sich in Einzelhaft; Bücher, Hofgang, Telefonieren und Medikamente werden ihr verweigert. Grundlegend fordert der BBU, dass die Bundesregierung endlich alle Atomtransporte verbietet und das Endlagerprojekt Gorleben als untauglich und gescheitert erklärt sowie die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen. Dass in der Bundesrepublik noch immer Atomkraftwerke und Uranfabriken aktiv sind, ist für die Organisation ein »absolut unhaltbarer Zustand«.


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