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Tausende in Bonn gegen den Krieg in Afghanistan | Drucken |  E-Mail
Friedensbewegung
Samstag, den 03. Dezember 2011 um 17:29 Uhr

Jugendblock auf der Demo in BonnTausende Menschen haben heute in Bonn gegen den andauernden Krieg in Afghanistan und für den Abzug aller ausländischen Truppen aus dem Land demonstriert. Die Organisatoren bezifferten Medienberichten zufolge die Teilnehmerzahl auf 4500 Menschen. Nahezu zeitgleich gingen auch in der afghanischen Hauptstadt Kabul mehrere Hundert Menschen gegen die ausländischen Besatzungstruppen auf die Strasse.

Angelika Claußen von der Ärzteorganisation IPPNW kritisierte aus ihrer eigenen Sicht als Medizinerin den Krieg in dem islamischen Land: »Für uns Ärzte stehen Menschlichkeit, Humanität im Mittelpunkt unseres Handelns. Humanität, das bedeutet zuallererst Recht auf Leben, Recht auf Nahrung, auf Gesundheit, Wohnung und Kleidung. Also unsere sozialen Grundrechte. Die afghanischen Bevölkerung ist dieser Grundrechte beraubt worden, von den NATO und ihren Soldaten, von der Militäroligarchie der Kriegsfürsten in Kabul, die mit NATO-Willen eingesetzt wurden, und auch von den Warlords, die Seite an Seite mit den Taliban-Warlords kämpfen. Die afghanische Bevölkerung ist von allen kriegsführenden Parteien in Geiselhaft genommen worden.« In Afghanistan seien über drei Millionen Kinder chronisch unterernährt, das entspreche 50 Prozent aller Kinder des Landes. »Immer noch sterben in Afghanistan 200 von 1000 Kindern, bevor sie fünf Jahre alt werden. Das ist jedes fünfte Kind!« warnte die Ärztin und fragte: »Welchen der Politiker auf der Afghanistan-Konferenz hier in Bonn wird das interessieren?«

Ursula Quack und Siggi Happe von der Interventionistischen Linken zogen eine Verbindung vom Krieg in Afghanistan zum »Arabischen Frühling« und zur Aggression gegen Libyen: »Die bewaffneten Auseinandersetzungen in Libyen und der Ruf Aufständischer nach westlicher Unterstützung kam einigen NATO-Staaten gerade Recht, um wenigstens an einem Punkt das Geschehen mitzubestimmen und sich als Befreier feiern zu lassen: Keine Frage, auch die Diktatur des Gaddafi-Clans war reif zur Ablösung, aber die Rolle der westlichen Staaten ist heuchlerisch und bigott, haben sie den Despoten doch lange genug hofiert, u.a. als Komplizen in der Flüchtlingsabwehr.« Und weiter: »Nirgendwo auf der Welt führen diese Soldaten einen Friedenseinsatz durch, nirgendwo geht es um humanitäre Hilfe. Die Maßnahmen sind koordiniert, das Ziel ist klar: uneingeschränkte Verfügungsgewalt über alle Ressourcen, einschließlich der menschlichen. Der Krieg in Afghanistan und die Militärintervention in Libyen zeigen deutlich, dass die NATO keinerlei Skrupel kennt, ihre Gegner in endlosen Materialschlachten zu Boden zu zwingen, dass es keine Grenzen für sie gibt außer einem Kräfteverhältnis, das ihnen entgegensteht. Und an einem solchen Kräfteverhältnis mitzuwirken, das muss unsere Aufgabe sein; Widerstand zu entwickeln gegen die Kriegspolitik unserer Regierung; wir müssen es ihnen so schwer wie möglich machen, Länder zu überfallen, zu besetzen, Bevölkerungen zu massakrieren; Der Krieg beginnt hier!«

Aus Afghanistan war die Parlamentsabgeordnete Malalai Joya nach Bonn gekommen, um zu den Demonstranten zu sprechen. Sie verurteilte, dass die USA ihren verbrecherischen Krieg gegen Afghanistan inzwischen auch auf Pakistan, Libyen und andere Länder ausgedehnt haben. Obama sei deshalb nichts anderes als »ein zweiter und ebenso gefährlicher Bush«, unterstrich Joya.


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