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Der Ribbentrop-Molotow-Pakt und andere Pakte | Drucken |  E-Mail
Deutsche Geschichte
Dienstag, den 01. September 2009 um 17:57 Uhr
Im russischen Außenministerium und in der Staatsduma hat man hart auf die Anfang Juli von der OSZE verabschiedete Resolution reagiert. Darin wurde vorgeschlagen, einen internationalen Gedenktag einzuführen und ihn am 23. August zu begehen, dem Jahrestag der Unterzeichnung des Ribbentrop-Molotow-Pakts, der am 23. August 1939 unterzeichnet wurde. Gerade dieser Akt, so meint man, sei vor 70 Jahren der Vorbote der großen Tragödie – des Zweiten Weltkrieges – geworden.
Seine Entrüstung über die Tatsache, das in Nürnberg verurteilte nazistische Regime und die sowjetische Führung auf eine Ebene zu stellen, äußerte der Vorsitzende des Staatsduma-Ausschusses für internationale Angelegenheiten Konstantin Kossatschjow. Er sagte, die Resolution, die an allem der UdSSR die Schuld gebe, erlaube es den Europäern, die an der Seite der Faschisten gekämpft hatten, ungeschoren zu bleiben.

Ist das eine Übertreibung? Der Geschichtswissenschaftler Dr. Sergej Guk schlägt vor, sich ohne überflüssige Emotionen mit dem faktischen Stand der Dinge im Europa der 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts bekannt zu machen.

Die Hauptthese der Resolution der OSZE lautet, die europäischen Länder seien die Opfer des nazistischen Deutschlands und der UdSSR geworden. Schauen wir uns das näher an. Ende der 30-er und Anfang der 40-er Jahre hätte man den größten Teil der europäischen politischen Landkarte in Braun darstellen können. Faschistische und halbfaschistische Diktaturen herrschten nicht nur, wie allbekannt, in Deutschland und Italien. Ihnen nahe stehende totalitäre Regime hatten sich in Polen, Spanien, Portugal, Ungarn, Litauen, Lettland, Rumänien, Kroatien und in der Slowakei eingenistet, nach der Okkupation auch in Frankreich. Im Dezember 1934 waren zu dem von Mussolini organisierten internationalen Kongress der faschistischen Parteien Vertreter aus 16 europäischen Ländern gekommen. Eine solide Präsenz.

Der slowakische faschistische Staat nahm an Hitlers Seite am Krieg gegen Polen teil. Beim Überfall auf die UdSSR befanden sich unter den Truppen des Aggressors auch 900 000 Soldaten aus den Satellitenländern des Reiches. Die meisten kamen aus Osteuropa. Nicht Dutzende, nicht Hunderte Abtrünnige, sondern fast eine Million. Eine Armee, die zahlenmäßig mit drei Bundeswehren zu vergleichen wäre. Gemeinsam mit der SS und der Wehrmacht trieben auch Hitlers Bündnispartner auf dem okkupierten sowjetischen Territorium ihr Unwesen: sie brandschatzten, raubten, mordeten, vergewaltigten und ließen Gefangene in KZ schmachten. Ihre Teilnahme an den Verbrechen gegen die Menschlichkeit wünschen die politischen Erben der osteuropäischen Regime, die sich heute einen demokratischen Anstrich gegeben haben, nicht zuzugeben.

Mehr noch: die osteuropäische politische Elite bemüht sich, in der Rolle des Unschuldslamms, als Opfer des Komplotts zweier Diktatoren aufzutreten. Sie bemüht sich, die unangenehme Wahrheit zu tarnen, die in die Augen sticht. Und zwar, dass fast ganz Europa mit wenigen Ausnahmen in diesem oder jenem Maße von innen her von der faschistischen Fäulnis befallen war.

Über Jahre hinweg werden sie nicht müde – und sie haben es auch nicht satt! – die abgedroschene These zu wiederholen, der Pakt mit Hitler habe die UdSSR in einen Bündnispartner des Dritten Reiches verwandelt. Und das, wo im Pakt selbst von einer Allianz keinerlei Rede ist. Er ist die Fortsetzung des Vertrags über die Neutralität, den die UdSSR und Deutschland im April 1926 abgeschlossen hatten. Moskau unterzeichnete den Pakt mit dem einzigen Ziel, den Kriegsbeginn hinauszuschieben.

Interessant ist, wie das übrige Europa in jenen Jahren handelte. Unser Experte, der namhafte Diplomat und Historiker Valentin Falin, zählt die Hauptmeilensteine auf, die den Weg des Reiches zur Entfesselung des Weltkrieges kennzeichnen.

Bereits vor der Unterzeichnung des Vertrags mit der UdSSR hatte sich Hitler freie Hand gemacht, indem er eine ganze Girlande von Nichtangriffspakten unterzeichnete. Mit Polen – im Jahr 1934, mit Litauen. Lettland und Estland – in den Jahren 1937-1938. Mit England – eine Vereinbarung im September 1938, und mit Frankreich im Dezember 1938.

Hitler führte bereits seit sechs Jahren die abgefeimten Intriganten an der Nase herum, er teilte Europa mit allen, die teilen wollten. Polen hatte es auf den tschechischen Landkreis Tĕšin abgesehen. Der Führer hatte nichts dagegen: letztendlich würde ihm alles zufallen. Er geizte nicht mit Versprechungen. Den Polen versprach er die Ukraine und Weißrussland. Den ukrainischen Nationalisten – die Unabhängigkeit. Den Ländern des Baltikums — militärische Unterstützung gegen die UdSSR. Japan und Italien – Gebietsgewinne. Großbritannien und Frankreich – die Unantastbarkeit ihrer Kolonien. Einzelne europäische Satelliten haben tatsächlich manches von ihm bekommen, aber nur zeitweise. Rumänien erhielt Bessarabien. Ungarn nahm sich einen Teil der Slowakei und der Ukraine jenseits der Karpaten. Das Übrige ging an Deutschland. Ohne jeglichen Vertrag. „Die Feinde haben meine Entschlossenheit nicht bedacht“, triumphierte Hitler. „Unsere Feinde ähneln kleinen Würmern. Ich habe sie in München gesehen.“

Und wirklich: ein schändlicheres Komplott, als es das Münchener Abkommen der Westmächte mit Hitler war, kennt die Geschichte nicht. Der englische Premierminister Chamberlain und sein französischer Amtskollege Daladier haben Hitler im Beisein Mussolinis die Tschechoslowakei sozusagen auf dem Tablett überreicht. Zuerst allerdings nur das vornehmlich deutsch besiedelte Sudetenland. Die Polen zeigten sich beleidigt, weil man sie nicht zur Teilung mit eingeladen hatte. Aber man gab ihnen schnell zu verstehen, ihre Ambitionen zurückzustecken. Auch die Tschechen wurden nicht in den Sitzungssaal gelassen. Ihnen war verboten worden, sich dem Zerfall ihres Staates zu widersetzen. Die westlichen Demokratien hatten das Land ausgeliefert. Aus Lohn für die Treue, die besonders die Tschechen in der Liga der Nationen offenbart hatten. „Ich werde eher den Rücktritt einreichen, als dass ich einen Vertrag mit den Sowjets abschließe“, meinte Chamberlain vertraulich. „Man muss eine Lösung zur Tschechoslowakei finden, die für alle akzeptabel ist, außer für Russland.“

„Für alle, außer Russland“, — gerade von diesem Prinzip ließen sich die damaligen europäischen Politiker leiten. Die namhafte deutsche Historikerin Ingeborg Fleischhauer, deren Spezialgebiet der Zweite Weltkrieg ist, hat es dokumentarisch belegt.

Stalin hatte den Westmächten angeboten, zeitweise sowjetische, englische und französische Truppen ins Baltikum und nach Finnland zu schicken, um Kampfhandlungen in Deutschland vorzubeugen. Und das nicht von ungefähr. Es sei bekannt, dass der Plan „Weiß“ – die Eroberung Polens – die Verlegung der Kampfhandlungen in die Länder des Baltikums und deren Anschluss an Deutschland vorgesehen habe, schreibt Ingeborg Fleischhauer. Dann hätten Einheiten der Wehrmacht nahe der sowjetischen Grenze gestanden und nach Leningrad vorrücken können. England und Frankreich passte das durchaus, und so lehnten sie den von Moskau unterbreiteten Vorschlag ab.

Die „Kaninchen“, die vor dem offenem Schlund der nazistischen Hydra saßen, zogen es vor, verschlungen zu werden, nur um kein Bündnis mit der UdSSR zu schließen. Winston Churchill bezeugt das: „Die englische Garantie annehmend, wollten die Regierungen Polens und Rumäniens keine ähnlichen Verpflichtungen in derselben Form von der russischen Regierung annehmen. An dieselbe Position hielten sich auch die Staaten des Baltikums. Finnland und Estland behaupteten sogar, sie würden eine Garantie, die ohne ihre Zustimmung gegeben werde, sogar als einen Aggressionsakt betrachten.“

Die UdSSR war bereit, der Tschechoslowakei gemeinsam mit ihren Garanten – mit England und Frankreich – zu helfen. Zu diesem Zweck hatte Moskau vorgeschlagen, die sowjetischen Truppen durch Polen passieren zu lassen. Die Antwort aus Warschau lautetet so: Keinerlei Aggression werde es zwingen, die Rote Armee, egal zu welchen Garantien, passieren zu lassen. Der Hass der polnischen Machthaber gegenüber der UdSSR war stärker als jegliche vernünftige Argumente.

Im Mai 1939 wurde dem britischen Ministerkabinett ein Memorandum der Stabschefs Englands vorgelegt. Ich zitiere hier nur einen Auszug aus dem Bericht der Militärexperten, denen Partei-Intrigen fremd waren: „Eine Vereinbarung über den gegenseitigen Beistand mit Frankreich und der UdSSR würde eine solide Front von beeindruckender Stärke gegen eine Aggression darstellen. Das Fehlen einer solchen Vereinbarung würde eine diplomatische Niederlage bedeuten, die ernsthafte militärische Konsequenzen haben könnte. Würde man das Bündnis mit Russland ablehnen und es zu einer Vereinbarung mit Deutschland drängen, so würden wir einen riesigen Fehler von lebenswichtiger Tragweite begehen.“ Ein solcher Fehler wurde dennoch gemacht, ohne mit der Wimper zu zucken.

Im Sommer 1939 schickten London und Paris sehr ungern eine Delegation nach Moskau, die über mögliche gemeinsame Aktivitäten verhandeln sollte. Um es genauer zu sagen, ist es richtiger, von einer Imitation von Verhandlungen sprechen, denn diese Emissäre besaßen keinerlei Vollmachten, außer einer: Zeit zu gewinnen. Man hatte ihnen die Aufgabe gestellt, den Schein von Kontakten mit Moskau zu wahren, um „zu verhindern, dass Russland irgendwelche Kontakte zu Deutschland herstellt“. Jene Tatsache, dass „die Russen mit aller Kraft nach dem Abschluss einer Vereinbarung streben“, gab der britische Premierminister Chamberlain zu. Das bezeugen heute auch unzählige Archivdokumente, ebenso die Memoiren des damaligen sowjetischen Botschafters in England Iwan Majskij.

Aber was war die Antwort? Nur Treubrüchigkeit und Heuchelei. Hören Sie hierzu die Meinung des russischen Experten Valentin Falin:

„Die Engländer hatten sich voll auf die Verhandlungen mit den Deutschen umgeschaltet. Es gibt eine interessante Erklärung von Chamberlain vom 26. August 1939: Wenn wir Deutschland bei seinen Plänen im Osten nicht behindern, so wird es uns in Ruhe lassen. Die Engländer konstruierten 1939 immerzu einen Zwei-Fronten-Krieg gegen die UdSSR. Japan von Osten her, und die Deutschen – von Westen her. Hierzu unterzeichneten die Engländer im Mai 1939 mit den Japanern eine Vereinbarung, in der sie alle Eroberungen Japans in China anerkannten. Japan stellte dabei eine Bedingung: sollte es in einen breiten Krieg hineingezogen werden, so müsse Deutschland unverzüglich einen Krieg gegen die UdSSR beginnen. Die englische Position hierzu sah so aus: sie waren dafür, dass Deutschland einen solchen Krieg beginnt, nur sollte es nicht über Polen, sondern über Rumänien und das Baltikum handeln.

Die britische Demokratie hat es verstanden, eine gemeinsame Sprache mit dem militaristischen Japan und mit dem nazistischen Reich zu finden. Wie der deutsche Historiker Sebastian Haffner feststellt, waren Bündnisse für Hitler stets nur Räuberbündnisse … Und von diesem Standpunkt aus gesehen, schienen England, Italien und Deutschland als imperialistische Mächte für ihn natürliche Partner zu sein, da ihre expansionistischen Bestrebungen unterschiedliche Richtungen besaßen. England strebte nach Übersee, Italien – in den Süden, in den Mittelmeerraum, und Deutschland – ausschließlich gen Osten, nach Russland. Es kann nicht gesagt werden, dass eine solche Vorstellung völlig unrealistisch war.

Um es kurz zu formulieren, fährt Haffner fort, habe das außenpolitische Konzept Deutschlands so gelautet: Ein festes langfristiges Bündnis mit England und Italien; die Isolierung, aber notfalls auch die Liquidierung Frankreichs durch einen Krieg. Später, wenn ein festes Hinterland in Gestalt Englands und Italiens existiert und Bündnispartner in Gestalt Polens, Ungarns und Rumäniens vorhanden sind, erfolgt die Eroberung, Unterordnung und Kolonisierung der Sowjetunion.

An dieser Behauptung ist nichts übertrieben. Erstmals in der Geschichte war nicht einfach die Eroberung der Sowjetunion geplant. Es war die physische Vernichtung eines ganzen Volkes geplant, das als rassisch minderwertig betrachtet wurde. Und zwar mit dem Segen der westlichen Demokratien, die nur eine Sorge hatten: Hitlers Aggression nach Osten zu lenken.

Der dänische Publizist und Historiker Kai Moltke führt in seinem Buch „Hinter den Kulissen des Zweiten Weltkrieges“ unzählige Tatsachen eines Komplott Englands mit dem nazistischen Deutschland an. Im Juli 1939 führte der Vertreter des deutschen Außenministeriums Wohltat Geheimverhandlungen in London. Sein Partner war der persönliche außenpolitische Berater des Premierministers Chamberlain, Horace Wilson. Der diesen Verhandlungen beiwohnende deutsche Botschafter Dr. Herbert von Dirksen hielt Folgendes fest: „Es sollte ein gemeinsamer deutsch-britischer Nichtangriffspakt abgeschlossen werden … Der Pakt sollte England von seinen Garantieverpflichtungen gegenüber Polen und anderen osteuropäischen Staaten befreien.“

Die Engländer waren bereit, ihren Bündnispartner Polen zu verraten, was sie auch getan haben. Ihnen war etwas anders wichtig. In diesem Falle würde die Wehrmacht an die Grenzen der UdSSR vorrücken, und die nazistische Aggression würde dann „ihre natürliche Entwicklung“ erfahren. Premierminister Chamberlain verhehlte vor seiner nahen Umgebung nicht, dass er es als ein kleines Übel betrachte, wenn Polen und andere Länder, denen England und Frankreich Garantien gegeben hatten, nicht ihre Unterstützung erhalten würden. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Länder besetzt werden, und dass Deutschland an den russischen Grenzen stehen wird“, erklärte er.

Eine ähnliche Position nahmen damals auch die USA ein. In einer Direktive des amerikanischen Außenministers Thomas Hall waren die Prinzipien der amerikanischen Politik dargelegt worden. Darin hieß es: „Es sind keinerlei Versuche zu einer Annäherung mit der sowjetischen Regierung zu unternehmen. Gegenüber jeglichen Schritten, die die sowjetische Regierung unternimmt, um uns entgegenzukommen, ist Zurückhaltung zu wahren … Wir dürfen keine Versprechungen abgeben und keinerlei Verpflichtungen übernehmen bezüglich unserer künftigen Politik gegenüber der Sowjetunion oder Russland.“ Wir sehen also, Moskaus Isolierung am Vorabend des Krieges war in vollem Gange.

Doch zurück zu den deutsch-britischen Verhandlungen in London am Vorabend der Weltkatstrophe. Der deutsche Botschafter Dirkson bezeugt: Der zweite Punkt wurde die Erörterung der Möglichkeit, einen „Pakt über die Nichteinmischung“ abzuschließen. Er „sollte die Abgrenzung der Lebensräume zwischen den Großmächten, besonders zwischen England und Deutschland umfassen … Die Verhandlungen sollten in gewissem Sinne eine getarnte Abgrenzung der Interessensphären zwischen den Großmächten sein. Wilson stimmte dem zu, dass Deutschland seine ehemaligen Kolonien zurückgegeben werden müssen.“ Den Verhandlungen Englands und Frankreichs in Moskau empfahl der Vertraute Chamberlains, keine Aufmerksamkeit zu schenken, denn die westlichen Delegationen würden nicht die erforderlichen Vollmachten besitzen.

Allen spricht die OSZE das Recht zu, ihre nationalen Interessen zu verteidigen. Außer der Sowjetunion – ihr wird das verwehrt. Nach dieser Logik hätte sie das Angebot aus Berlin stolz ablehnen müssen. Hitler hätte damit ein wertvolles Argument erhalten. Er hätte erklären können, er habe den Bolschewiken lediglich die Neutralität angeboten, sie hätten die ihnen hingestreckte Hand jedoch abgelehnt. Das würde bedeuten, dass sich Moskau insgeheim mit Plänen trage, Deutschland zu überfallen. Damit habe das Reich ein Recht, zum Schutz der deutschen Nation einen Präventivschlag gegen den potentiellen Aggressor zu führen. Aber die UdSSR war noch nicht auf einen Krieg vorbereitet. Und deshalb schob sie ihn mit aller Kraft hinaus. Hatte sie damals einen anderen Ausweg?

Lassen wir Valentin Falin zu Wort kommen:

„Ich hatte 1988 ein Treffen mit polnischen Historikern — mit uns freundlich gesinnten und mit uns feindlich gesinnten. Und ich hatte ihnen diese Frage gestellt: Gab es eine Alternative zum Abschluss des Nichtangriffspakts mit Deutschland? Die Antwort lautete: Es gab keinerlei andere Variante, das war eine notgedrungene Entscheidung der Sowjetunion. Zitieren Sie die Rede von Molotow am 31. August 1939 in der Sitzung des Obersten Sowjets. Molotow sagte: ‚Wir haben versucht, mit den Westlern eine Vereinbarung zu treffen, aber sie haben sich jeglicher Vereinbarung entzogen. Uns blieb keine andere Wahl, als eine Vereinbarung mit Deutschland zu treffen, damit die UdSSR nicht in einen Krieg hineingezogen wird.‘ Und danach sagte Molotow dann dem französischen Botschafter, der Abschluss des Nichtangriffspakts würde weitere Verhandlungen mit den beiden Westmächten nicht ausschließen. Sie haben sie abgelehnt.“

England und Frankreich lehnten es ab, ein System der kollektiven Sicherheit unter Mitbeteiligung der UdSSR zur Abwehr einer nazistischen Aggression in Europa zu schaffen. Für sie war es viel wichtiger, die deutsche Expansion nach Osten zu lenken, zum Kampf gegen den Bolschewismus. Churchill bestätigte das in seinen Memoiren: „Hätte Chamberlain zum Beispiel auf den russischen Vorschlag mit einem „Gut. Schließen wir uns zu dritt zusammen und brechen wir Hitler das Genick“ oder mit irgendetwas in dieser Art reagiert, so hätte das Stalin verstanden. Die Geschichte hätte anders verlaufen können … München und vieles andere hatte die sowjetische Regierung davon überzeugt, dass weder England noch Frankreich kämpfen würden, solange sie nicht überfallen würden. Und dass sie selbst in einem solchen Fall wenig ausrichten könnten. Der heraufziehende Sturm stand kurz vor dem Ausbruch. Russland musste an sich selbst denken.“

Jene, die die Empörung bezüglich des Einmarsches der Roten Armee in Polen nach dem Überfall Deutschlands auf dieses Land stimulieren, sei Folgendes in Erinnerung gebracht. Es handelte sich nicht im polnische Lande. Die Westgrenze Polens war durch den Versailler Vertrag von 1919 festgelegt und verlief etwa auf der Linie von 1772, also dort, wo sie sich vor der ersten Teilung Polens befand. Die Ostgrenze, die sogenannte „Kerson-Linie“, hatte der polnische Marschall Pilsudski Anfang der 20-er Jahre verschoben, indem er Gebiete von dem durch die Revolution und den Bürgerkrieg geschwächten Russland besetzte, die teilweise 150 bis 200 Kilometer breit waren. Die Sowjetunion holte sich somit im Jahr 1939 nur jene Gebiete zurück, die ihr durch die Konferenz der Entente-Mächte zugewiesen waren. Es sei hier auch erwähnt, dass Pilsudski nach dem Ersten Weltkrieg auch Oberschlesien von Deutschland abgetrennt hatte, wo die Deutschen einen Großteil der Bevölkerung bildeten. Von Österreich hatten sich die Polen Galizien genommen. Im Jahr 1938 hatte Polen gemeinsam mit Ungarn, Rumänien und dem nazistischen Deutschland Stücke von der Tschechoslowakei abgetrennt.

Für dieses bei Weitem nicht gerade würdige Verhalten der osteuropäischen Länder haben ihre heutigen Anwälte nur eine Rechtfertigung. Sie sagen, man habe sich um die eigene Sicherheit kümmern müssen. In ihrer Resolution scheint sich die OSZE auch nicht an dem Umstand zu stoßen, dass die osteuropäischen Staaten ihren Vorteil nie versäumt haben. Mit der Flinkheit von Piranhas zwackten sei beieinander Territorien ab, sobald sich eine günstige Gelegenheit dazu bot. Damit haben sie sich selbst die Schlinge um den Hals gelegt. Man gewinnt den Eindruck, als sei die Resolution der OSZE mit der Verurteilung der UdSSR von den geistigen Erben eben jener Politiker ausgearbeitet worden, die Hitler damals direkt oder indirekt geholfen haben.

Ich will damit niemanden kränken. Aber ich will auch nicht, dass man mein Land mit jeglicher Art pseudohistorischer Insinuationen kränkt. Viel zu hoch ist die Zahl der Opfer, die das sowjetische Volk für die Befreiung Europas vom Nazismus gebracht hat. Ganz im Unterschied zu manchen Ländern, die sich als Demokratien bezeichnen, und die damals vor Hitler einfach die Hände gehoben haben. Das deutlichste Beispiel ist Dänemark. Noch am Morgen frühstückte seine Bevölkerung in einem freien Land, das Mittagessen nahm sie bereits in einem okkupierten Land ein. Aber das schien den Dänen, nach allem zu urteilen, nicht den Appetit verdorben zu haben.

Quelle: Stimme Russlands / RedGlobe

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