Die für die Sicherheit der Veranstaltung verantwortliche Stadtverwaltung von Duisburg, insbesondere Oberbürgermeister Sauerland und Sicherheitsdezernent Rabe, weisen Kritik an dem Veranstaltungskonzept zurück. Dies sei ohne Fehler gewesen, schuld seien Einzelne, die sich nicht an die Regeln gehalten haben und somit ihren eigenen Tod verursacht hätten. Dies gelte vor allem für viele, die versucht hätten, über Absperrungen oder ungesicherte Treppen zu klettern, um auf das Veranstaltungsgelände zu gelangen, und dabei abgestürzt seien. Eine Massenpanik, von der immer wieder berichtet wird, habe es so nicht gegeben. Diese Version wurde mittlerweile z.B. von der Tagesschau, nicht aber vom WDR übernommen, der sich Aussagen zur Ursache noch bedeckt hält.
Es gibt verschiedene Gründe die diese Behauptungen als zu einfach erscheinen und eine Mitschuld der Organisatoren und Sicherheitsverantwortlichen an der Katastrophe zumindest nicht ausschließen lassen. So hat das Festgelände auf einem stillgelegten Güterbahnof eine Fläche von ca. einem halben Quadratkilometer, nach anderen Angaben auch nur einem viertel Quadratkilometer, und bietet damit Platz für ca. eine halbe Million Menschen - es wird aber geschätzt, dass sich in Duisburg ca. 1.4 Millionen Menschen aufhielten, die alle auf das Festivalgelände strömten. Anders als bei vergangenen Loveparades z.B. im Berliner Tiergarten hat der alte Güterbahnhof in Duisburg nur einen einzigen Zugang, d.h. die Menschen, die auf das Gelände wollen, müssen alle durch einen Reihe von Straßentunneln, die über Rampen ins Zentrum des Geländes münden. Erst nach der Katastrophe wurden Notausgänge geöffnet die den Ausgang z.B. über die angrenzende Autobahn ermöglichten.
Skizze zum Vergleich Berlin-Duisburg:
http://tweetphoto.com/34675405 Luftbild, auf dem man die Zugangsrampen gut erkennt. Andere Bilder der Fotostrecke zeigen das enorme Gedränge im Zugang, und wie manche Menschen versuchen, diesem über Leitern oder Masten zu entkommen.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-57495.html Gegen 16 Uhr 30, also rund eine halbe Stunde vor der Katastrophe, berichtete der regionale Fernsehsender 1live von völliger Überfüllung, und einem Rückstau von Menschen bis zum Hauptbahnhof, die alle versuchten, sich durch das "Nadelöhr" des einzigen Eingangs durch den Tunnel zu drängen, während andere bereits wieder versuchten, das Gelände in die andere Richtung zu verlassen:
http://www.einslive.de/medien/html/1live/2010/07/24/loveparade-2010-anreise-chaos.xml;jsessionid=D984CAB24CB642E70D75378F3307AF3C.einslive3 Auch der Gründer der Loveparade, Herr Motte, vermutet die Schuld bei den Veranstaltern und einem ungeeigneten Zugangskonzept:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,708343,00.html Auf youtube gibt es ein Video, das zeigt, wie die Polizei einen Zugangstunnel so absperrt, dass sich die Menschen im Tunnel stauen. Auch wenn das vermutlich nicht der Tunnel ist, in oder an dem es zur Katastrophe kam (der Tunnel im Video scheint kürzer zu sein und führt vermutlich zur anderen Seite vom Gelände), ist das doch ein fragwürdiges Vorgehen
http://www.youtube.com/watch?v=v1MdzlWmVeI Auf diesem Foto schaut man vom Festivalgelände runter in den Zugang, an dessen Ende sind links und rechts die Tunnelröhren zu sehen, durch die die Menschen vom Hauptbahnhof bzw. von der anderen Seite aufs Gelände wollen. Auch hier scheint der Weg nicht nur durch die Menschenmassen, sondern auch durch Polizeifahrzeuge und Absperrgitter weitgehend blockiert.
http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-57495-2.html Nach anderen Berichten wurde der Zugang zum Festivalgelände wegen Überfüllung geschlossen, aber eben erst hinter den Tunneln, so dass in den Tunneln die auf das Gelände zu- und vom Gelände abströmenden Menschen aufeinandertrafen. Augenzeugenberichte sprechen von einer "Betonwand" von Menschen, in der es stellenweise über zwei Stunden lang weder vor noch zurück ging.
Insgesamt ist es bemerkenswert, dass die Verantwortlichen für die Sicherheit der Veranstaltung, also insbesondere die Herren Sauerland und Rabe, bereits vor Abschluss der Untersuchungen genau wissen, dass individuelle Fehler der Verunglückten die alleinige Ursache der Katastrophe waren.
Demgegenüber scheint es zum gegenwärtigen Zeitpunkt objektiv nicht auszuschließen zu sein, dass Fehler und Versäumnisse in der Organisation mit zur Katastrophe geführt haben, also insbesondere ein der zu erwartenden Anzahl der Besucher nicht angepasstes Gelände- und Zugangskonzept und unangemessene Maßnahmen von Ordnern und Polizei. Wäre das der Fall, könnte man auch nachvollziehen, dass die Duisburger "Topmanager" so etwas vehement von sich weisen, sind sie doch persönlich für die Sicherheit verantwortlich bzw. haben die Loveparade trotz Bedenken hinsichtlich der Eignung des Festivalgeländes nach Duisburg geholt.
Quelle: Indymedia / RedGlobe





