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Mit der Ankunft des Atommülls im Zwischenlager Gorleben ist der Castortransport nach fast 126 Stunden um 21.50 Uhr zu Ende gegangen - es war der bislang am längsten dauernde Transport, den insgesamt mehr als 25000 Menschen tagelang aufhalten konnten. Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisaton .ausgestrahlt, wertet die Ereignisse der vergangenen Tage als Erfolg für die Atomkraftgegner: »Die letzten Tage zeigen: Die Gorleben-Politik der Bundesregierung ist gescheitert. Wer sich selbst wegduckt und die Polizei vorschickt, muss sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger schwindet. Der Konflikt lässt sich nicht lösen, wenn in Gorleben weiter Tatsachen geschaffen werden.«
Stay weiter: »Wir Atomkraftgegner freuen uns nicht, wenn unsere Warnungen wahr werden, aber leider lagen wir meist richtig. Von Fukushima bis zur Asse wird deutlich, was passiert, wenn die Risiken ausgeblendet werden. Mit unserem Protest gegen den Castor-Transport weisen wir auf die immensen Risiken einer Atommüll-Lagerung im maroden Salzstock von Gorleben hin. Es wäre endlich angebracht, vor der Katastrophe auf uns zu hören.«
Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) bilanziert: »Der Castor-Transport ist am Ende, wir noch lange nicht!« Ob 23.000 Menschen auf der Großdemo in Dannenberg, 5000 im Gleisbett bei Harlingen oder eine 14-stündige Schienenblockade der Bauern: Der heftige Widerstand gegen diese Atommüllfuhre habe gute Gründe. »Das Hin- und Herkutschieren von Atommüll hat nichts mit der Lösung des Atommüllproblems zu tun.«
»Alle reden von der Rekordzeit, die der Transport für die 1.200 Bahn- und die 20 Straßenkilometer gebraucht hat. Wir reden von den politischen Zielen des Protests«, sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. »Die vielfältigen Störaktionen, Blockaden und die eindrucksvolle Großdemonstration sind nötig, um unseren Argumenten Gehör zu verschaffen. Aktionen und Argumente gehen Hand in Hand. Wir fordern die Aufgabe Gorlebens als Endlagerstandort, denn Gorleben steht für all die Fehler der 70er Jahre, in der auch das Asse-Desaster seinen Lauf nahm. Wir lehnen faule politische Kompromisse strikt ab. Alle Atomkraftwerke müssen und können sofort stillgelegt werden und die Atommülldebatte muss völlig neu geführt werden.«
Die Gorleben-Gegner gehen davon aus, dass die genehmigten Strahlenwerte am Zaun des Lagers mit der Einlagerung dieser Castoren überschritten werden und dass dieser Transport noch lange nicht der letzte in der Gorleben-Geschichte sein wird. »Wir gehen weiter auf die Straße und mischen uns ein, denn dieser Castor war nicht der letzte, sondern das Letzte.«
Bestätigt sehen sich die Atomkraftgegner jetzt auch durch die Lüneburger Staatsanwaltschaft. Deren Berechnungen zufolge liegt der Wert der Strahlung am Zwischenlager Gorleben für 2011 0,294 Milli-Sievert pro Jahr (mS/h). Der Eingreifwert, der zum sofortigen Stopp aller weiterer Einlagerungen führen sollte, ist 0,27 mS/h. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg klagt deshalb gegen die Transport- und Einlagerungsgenehmigung für den Atommüll in Gorleben, erklärte Kerstin Rudek, die Vorsitzende der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.
Die Bäuerliche Notgemeinschaft im Wendland wertet die Ereignisse der letzten Tage ebenfalls als »deutliches Misstrauensvotum gegen „Atomausstieg“ und „Endlagersuche“«. Dieser Castortransport habe gezeigt, »dass wir uns wehren können. Und dass die atomkritische Bewegung nach wie vor stark und vital ist.«
Die Gruppe weiter: »Leider müssen wir immer wieder unsere Gesundheit riskieren, um auf die verdeckten Methoden und politischen Tricks aufmerksam machen zu können, mit denen ein Atommüllzentrum Gorleben durchgesetzt werden soll. Und leider müssen wir diesmal auch feststellen, dass Nervosität und Aggressivität bei den Polizeikräften größer geworden ist. Beim Castortransport 2011 wurde wieder mehr, schneller und brachialer von „polizeilichen Zwangsmitteln“ Gebrauch gemacht, besonders bei den Sitzblockaden auf der Strasse. Die berittenen Polizisten waren dabei besonders rücksichtslos. Wir können von Glück sagen, dass es nicht mehr schwere Verletzungen geben hat.«
Die Bauern fordern, dass nach 35 Jahren der politischen Tricksereien, Mauscheleien und Betrügereien endlich mit der Suche nach einem geeigneten Endlager für hochradioaktiven Abfall begonnen wird. »Und zwar wirklich mit einer weißen Landkarte. Nicht, wie Umweltminister Röttgen und die Kretschmann-Kommission es vorhaben, mit dem skandalbelasteten Endlagerbauwerk in Gorleben. Dieser Salzstock kann nur mit maßgeschneiderten Eignungskriterien für endlagertauglich erklärt werden. Und genau daran arbeiten altbekannte Atomlobbyisten wie Bruno Thomauske und Gerald Hennenhöfer im Auftrag der Bundesministerien für Umwelt und Wirtschaft.«
Die ehrenamtlichen HelferInnen der Sani-Zentrale (ÄrztInnen, RettungssanitäterInnen und andere medizinisch geschulte Personen) zogen unmittelbar nach dem Ende des Transports eine erste Bilanz ihrer Arbeit und kamen zu dem Schluss: »Die Anzahl der Verletzten ist erschreckend hoch und wird wahrscheinlich noch erhöhen, wenn uns endgültige Zahlen vorliegen. Wir verurteilen den massenhaften Einsatz von OC-Spray, Schlagstöcken und Pferden. Die von uns beobachteten Situation wären ohne den Einsatz dieser Hilfsmittel – und damit, ohne eine derart hohe Zahl von Verletzten – lösbar gewesen. Angriffe auf gekennzeichnete ErsthelferInnen sind nicht zu rechtfertigen.«
Insgesamt haben die Erste-Hilfe-Teams der Atomkraftgegner 355 Personen behandelt, die durch die Polizei verletzt wurden, behandelt, davon fünf Schwerverletzte (Kopfverletzungen durch Schlagstockeineinsatz, ein Verdacht auf eine Wirbelfraktur). Ein Drittel der Verletzungen sind auf den Einsatz von OC-Kampfstoff /Pfefferspray zurückzuführen, der andere Teil hauptsächlich auf Schlagstockeinsatz. Eine Person wurde von einem Polizeipferd überrannt. Einer Person wurde ein Zahn ausgeschlagen. Behandelt wurden auch PolizistInnen, die von ihren eigenen Reihen OC-Kampfstoff abbekamen und PolizistInnen mit Erschöpfungszuständen (ca. zehn Fälle). Bei der Räumung der Schienenblockade wurden Verletzungen durch die hohe Präsenz und schneller Intervention bei unangemessenem Vorgehen seitens der Polizei verhindert. »Wir sind davon überzeugt, dass es deshalb bei der Räumung der Blockade in Harlingen nur wenige Verletzte gab.«
Zu Behinderungen ihrer Arbeit berichten die Sanitäter: »Dank der vorherigen Absprachen zwischen Landkreis, Polizeiführung und Sani-Zentrale konnten sich unsere Sanis an den Orten des Geschehens häufig frei bewegen; teilweise jedoch erst nach Intervention bei der Einsatzleitung. Teilweise wurde unseren Sanis allerdings auch der Zugang komplett verweigert, vor allem während des Straßentransports. Neun Sanis erhielten Platzverweise. Einer Ärztin wurde am Donnerstag auf der Kundgebung in Metzingen verweigert, einen festgenommenen Verletzten zu untersuchen. In einem anderen Fall wurden Sanitäter beim Augenspülen eingekesselt. Zudem ist es zu mehreren tätlichen Übergriffen der Polizei auf unsere Teams gekommen, z.B. wurde ein Sanitäter durch OC-Spray und ein weiterer durch mehrere Schlagstockhiebe verletzt. Die Sani-Station in Laase wurde von der Polizei regelrecht überrannt. Hierbei wurden Sanis bedroht, geschlagen und beleidigt. «
In Gronau haben heute nachmittag ein Dutzend deutsche und niederländische AtomkraftgegnerInnen spontan eine Gorleben-Solidaritätsaktion in der Gronauer Innenstadt durchgeführt. Ein Informationsstand, Transparente und Informationsblätter rundeten die Mahnwachen-Aktion ab. Zur Teilnahme aufgerufen hatte der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau. Die AtomkraftgegnerInnen solidarisierten sich mit ihrer Aktion mit dem Widerstand im Wendland gegen den hochgefährlichen Atommülltransport. Der AKU Gronau weist darauf hin, dass in der Vergangenheit auch schon Atommüllbehälter von der Gronauer Urananreicherungsanlage in das Gorlebener Atommüll-Faßlager gebracht wurden. Weiterer Uranmüll soll in das »Endlager Gorleben« geschafft werden. Die Anti-Atomkraft-Berwegung im deutsch-niederländischem Grenzgebiet lehnt die gefährliche Atommüllverschieberei ab, zumal sie auf keinem Entsorgungskonzept basiert.
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