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Tausende sitzen auf der Strasse - Blockade schon 450 Meter lang. | Drucken |  E-Mail
Umwelt (GreenGlobe)
Montag, den 08. November 2010 um 20:35 Uhr

Foto: Fiona Krakenbürger / echtfotografieWährend ein Castor nach dem anderen auf die Tieflader gehievt und damit transportfähig für den letzten Teil der Strecke gemacht wird, bewegen sich rund 300 Personen pro Stunde zur Sitzblockade vor dem Zwischenlager Gorleben. Rund 3000 Personen sitzen dort bereits - etliche seit über 24 Stunden und bei bitterer Kälte. Trotzdem stehen natürlich alle unter Adrenalin. Trotzdem freuten sich die Teilnehmer auch über so kuriose Meldungen wie die von den »tierischen Schutzschildern«, die die Demonstranten jetzt angeblich einsetzen würden. Gemeint ist eine Herde dickfelliger Schafe, die zäh und beharrlich die Straße versperrte.

Die Kampagne X-tausendmal quer unterstreicht: »Die verbohrte Atompolitik muss in Berlin auf politischem Parkett revidiert werden. Nur: Von alleine bewegt sich dort nichts. Erst die starke Stimme von außen - aktuell aus dem Wendland - wird Kanzlerin Merkel zu einer Kurskorrektur zwingen. Schließlich stehen demnächst mehrere Landtagswahlen ins Haus.« Wenn die Politik gegen die Mehrheit der Bevölkerung agiert, sei die Politik falsch und nicht die Proteste der Bürger. »Und letztendlich bringen die Proteste eben nicht nur die Fahrpläne des Castors durcheinander, sondern auch den Fahrplan der schwarz-gelben Regierung. Wir werden sehen, wie lange die Laufzeit dieser Regierung noch reicht.«

Kirsten aus dem Presseteam der Kampagne schreibt auf der Homepage von X-tausendmal quer: »Wir machen uns hier auf eine lange Nacht der Entscheidungen gefasst. Flapsiger formuliert: wir warten auf das Finale Grande. Wir sind schon jetzt stolz darauf, bei einer Sternstunde des politischen Protests dabei zu sein.«

Auch die Homepage der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg spiegelt die gute Stimmung der Atomkraftgegner wider: »Hunderte, Tausende sind im Wendland auf der Straße. Die Bauern geben sich ein wenig erschöpft und lassen auf manch einer Kreuzung ihren Trecker stehen. Auf der Kreuzung vor dem Castor-Verladekran in Dannenberg hat ein Bier-LKW aus Ludwigslust schlapp gemacht. 2000 Schafe und 50 Ziegen demonstrierten am Nachmittag in Grippel und blockierten die Castorstrecke. Wasserwerfer wurden aufgefahren, doch die Tiere machten sich auf den Acker. Dort versinkt gerade der erste Wasserwerfer im tiefen Grund.

Luise von x-1000 hat die SitzblockiererInnen gezählt, die vorm Zwischenlager hocken: 3.104 sagt sie. Dafür hat sich die Polizei wieder ein Ding geleistet: in Grippel und Zadrau gab es Hausdurchsuchungen ohne Hausdurchsuchungsbefehl oder “Gefahr in Verzug”. Rechtsanwalt Martin Lemke: “Das ist rechtswidrig”. Gefunden wurde nichts – was gesucht wurde, wissen wir aber nicht.«

Experten der Umweltschutzorganisation Greenpeace messen seit heute vormittag am Verladebahnhof in Dannenberg die Neutronen- und Gammastrahlung am Castortransport. Die Messungen nach den ersten drei Behältern zeigen, dass die Dosisleistung auch bei diesem Transport wieder hoch ist. Selbst in einer Entfernung von etwa 14 Metern konnte Greenpeace noch 4,8 Mikrosievert pro Stunde nachweisen, über 480-mal mehr als die wenige Stunden zuvor am gleichen Ort gemessene Hintergrundstrahlung durch Neutronen. Die Gammastrahlung beträgt 2,3 Mikrosievert pro Stunde, das ist 40-mal mehr als die Hintergrundstrahlung. Zwar liegt die Strahlung damit vermutlich innerhalb der Grenzwerte. Die Bewertung der Schädlichkeit von Neutronenstrahlung ist in der Wissenschaft allerdings umstritten. Nach Einschätzung der unabhängigen Umweltorganisation Greenpeace sind Grafiken der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit, die den Einsatzkräften als Datengrundlage für die Strahlenbelastungskurve zur Verfügung stehen, bewusst verharmlosend.

»Die Polizei wird von den Behörden bewusst getäuscht«, so Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. »Die Berichte der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) zur Neutronenstrahlung sind grob manipulativ und verharmlosend. Das ist fahrlässig, und in der Art der Verharmlosung symptomatisch. Die GRS spielt hier mit der Gesundheit der Polizisten, die diesen Zug begleiten müssen, und mit der Gesundheit der Bevölkerung. Wir warnen die begleitenden Polizisten, sich dem Zug zu sehr zu nähern.«

Quellen: X-tausendmal quer, Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Greenpeace / RedGlobe


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