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Atommüll wird umgeladen - Straßen bereits blockiert | Drucken |  E-Mail
Umwelt (GreenGlobe)
Montag, den 08. November 2010 um 14:33 Uhr

Gefangenensammelstelle bei Harlingen am Montagmorgen. Foto: jWSeit etwa 11 Uhr werden im Bahnhof Dannenberg die elf Castor-Spezialbehälter mit hochradioaktivem Atommüll für den Transport auf der Straße bis in das Zwischenlager Gorleben umgeladen. Nach Angaben des Brennelementlagers Gorleben (BLG) werden dafür rund 15 Stunden benötigt, die Atomkraftgegner rechnen mit mindestens elf Stunden. Frühestens ab heute abend soll der Castortransport auf der Straße ins Zwischenlager Gorleben beginnen. Zuvor hatte die Polizei in der Nacht die bislang grösste Schienenblockade in der Geschichte der Atommülltransporte gewaltsam beendet und Tausende von den Gleisen geholt sowie in einer unter freiem Himmel errichteten Gefangenensammelstelle festgehalten. Allein auf der Schiene war der aus Frankreich kommende Atommülltransport durch zahlreiche Blockaden gut 67 Stunden unterwegs - deutlich länger als frühere Castor-Transporte. Auch die letzte Etappe auf der Strasse wird für die Atomlobby kein Spaziergang, bereits jetzt blockieren Tausende die möglichen Wege des Transports.



Die Sprecherin der gewaltfreien Kampagne X-tausendmal quer, Luise Neumann-Cosel, hatte schon heute morgen informiert, dass schon zu diesem Zeitpunkt mehr als 1.600 Menschen auf der Straße ausharrten. Die kalte, aber trockene Nacht sei ruhig gewesen. Es gebe ausreichend Strohsäcke, Isomatten sowie warmes Essen und Getränke. Auch der Sprecher der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg, Wolfgang Ehmke, zog eine positive Bilanz der Proteste. Es sei deutlich geworden, dass der Widerstand gegen Atomkraft und den Endlagerstandort Gorleben in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei.

Die Linkspartei wirft der Polizei unverhältnismäßige Gewalt gegen Demonstranten bei den Castor-Protesten vor. »Ich konnte mit eigenen Augen beobachten, wie die Staatsgewalt rücksichtslos zugeschlagen hat«, sagte die Innenexpertin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke. Friedliche Demonstranten seien mit Schlagstöcken, Wasserwerfern und Reizgas malträtiert und verletzt worden. Jelpke hatte mit mehreren Fraktionskollegen selbst an den Protesten teilgenommen und kündigte an, die Linksfraktion werde unverzüglich eine parlamentarische Aufarbeitung des Polizeieinsatzes einleiten, insbesondere zur Rolle der Bundespolizei und der Bundeswehr. Die Linke werde sich auch für ein Verbot von Reizgaseinsätzen gegen Demonstranten stark machen, informierte der Blog der Tageszeitung junge Welt (http://www.jungewelt.de/blogs/castor/).

Auch die Bäuerliche Notgemeinschaft Lüchow-Dannenberg kritisiert das Vorgehen der Polizei. Die Festsetzung der Blockierer in der Gefangenensammelstelle auf dem Feld bei Harlingen sei rechtswidrig gewesen, zitiert die Initiative auf ihrer Homepage einen Anwalt von Betroffenen. Die Polizei habe jede Aufforderung einzelner Demonstranten abgelehnt, ihre Personalien feststellen zu lassen - Vermutlich, um sie, weiterhin im Lager behalten zu können, denn nach der Personalien-Feststellung hätten sie gehen können – oder sie hätten dem Richter vorgeführt werden müssen. Ein zuständiger Richter war jedoch merkwürdigerweise auch in der Lüchower Gefangenensammelstelle der Polizei die ganze Nacht über nicht zu erreichen. Der Anwalt sieht in dieser Behandlung der Demonstranten den Tatbestand der Freiheitsberaubung als erfüllt und hat eine entsprechende Klage angekündigt.

Aus dem Umfeld dieses Zusammenschluss der Einheimischen, die von dem Atomklo im Wendland besonders betroffen sind, gehen die phantasievollen Aktionen gegen den Castortransport weiter: »Der musikalische Motorsägen-Kurs der gräfl. v. Bernstorff´schen Forstveranstaltung findet unter großem Zuspruch von Presse und Publikum in Pölitz statt, drei Kilometer westl. Gorleben an der Transportstrecke. Mehr als 50 Säger führen schwierige Schnittübungen vor und machen grossartige Musik mit Bass- und Sopransägen, argwöhnisch beobachtet von der Polizei, die sogar Wasserwerfer aufgefahren hat.«

 


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