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120 Kilometer gegen Atomkraft | Drucken |  E-Mail
Umwelt (GreenGlobe)
Samstag, den 24. April 2010 um 04:16 Uhr

Anti-Atom-Konvoi in Lüneburg. Foto: Karin Behr / PubliXviewinGHeute wollen Atomkraftgegner eine 120 Kilometer lange Aktions- und Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel bilden. Zu dieser Aktion, die sich gegen den von der CDU/CSU/FDP-Bundesregierung betriebenen Ausstieg aus dem Atomausstieg richtet, werden Teilnehmer aus vielen Teilen der Republik erwartet. Bisher vor einer Woche waren bei den Organisatoren bereits drei Sonderzüge und 182 Busse angemeldet worden. »Der Andrang ist riesig. Mit einem ausgefeilten Verkehrskonzept wollen wir erreichen, dass sich die Menschen möglichst gleichmäßig entlang der Strecke verteilen und so eine eindrucksvolle Demonstration gegen die Atomenergie entsteht«, erläutert Thorben Becker, Sprecher des Trägerkreises der »KettenreAktion«.



Die Gesamtstrecke der Kette ist in 124 einzelne Abschnitte aufgeteilt, in denen es jeweils einen Anlaufpunkt gibt. Freiwillige Helferinnen und Helfer aus Umweltverbänden, Jugendorganisationen, Gewerkschaften, Parteien, Kirchengemeinden und politischen Initiativen sind dort Ansprechpartner für die Demonstranten und organisieren den Aufbau der Aktions- und Menschenkette. 42 dieser Streckenposten sind alleine auf dem 35 Kilometer langen Teilstück durch Hamburg zu finden.

»Wir mobilisieren für die Kette durch die Millionenstadt ausschließlich in Hamburg und für die Kette in Schleswig-Holstein überregional, um dadurch eine gute Verteilung zu gewährleisten«, so Becker. Für die Strecke in Schleswig-Holstein werden Menschen aus weiten Teilen des Bundesgebietes anreisen. Dabei sind einzelnen Bundesländern oder Landkreisen bestimmte Abschnitte zugeordnet. »Hannover fährt beispielsweise nach Elmshorn, Bremen und Kiel fahren nach Glückstadt und Göttingen nach Brokdorf«, so Becker. »Aus München, Berlin und Kassel werden drei Sonderzüge nach Elmshorn und Itzehoe fahren. Und von Itzehoe geht es dann mit einem Bustransfer direkt an die Demonstrationsstrecke nach Brokdorf.«

Die bisher gemeldeten 182 Busse werden gleichmäßig auf alle Anlaufpunkte in Schleswig-Holstein verteilt. Dazu kommen dann die individuell anreisenden Demonstranten und die Menschen, die direkt in der Region um die Strecke wohnen.

Auch in Hamburg sind die einzelnen Stadtteile bestimmten Kettenabschnitten zugeordnet. »Wir raten dringend davon ab, in die Innenstadt zu fahren, da dort der Zulauf am größten sein wird«, erläutert Jochen Stay, ebenfalls Sprecher des Trägerkreises. »Damit die Kette überall zustande kommt, ist es viel wichtiger, dass die Menschen in die Gegenden der Stadt fahren, die nicht so zentral liegen oder die weniger dicht besiedelt sind.«

Auch zahlreiche bekannte Künstlerinnen und Künstler rufen zu den von der Anti-Atom-Bewegung geplanten Massenprotesten auf. Die Schriftsteller, Schauspieler, Musiker, Regisseure und TV-Moderatoren fordern das Ende der Atomenergienutzung und den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien. Zu den Unterzeichnern des Aufrufes zur Menschenkette gehören neben unter anderem die Schriftsteller Günther Grass, Sten Nadolny und Tilman Spengler, die Schauspielerinnen Andrea Sawatzki, Cosma-Shiva Hagen, Eleonore Weisgerber und Kristin Meyer, die Musiker Jan Delay, Udo Lindenberg, Max Mutzke und Konstantin Wecker, die Schauspieler Hannes Jaenicke, Günter Lamprecht und Wolfgang Völz, die Filmemacher Rolf Schübel und Pepe Danquart, die TV-Moderatorin und Autorin Sarah Kuttner, der Hamburger Theaterintendant und Präsident des FC St. Pauli Corny Littmann, der Präsident der Akademie der Künste in Berlin Klaus Staeck und der TV-Moderator Klaas Heufer-Umlauf.

Die Künstlerinnen und Künstler schreiben: »Der Konflikt um den Atomausstieg spitzt sich zu: Demnächst gehen die Verhandlungen über längere Laufzeiten für Atomreaktoren in die heiße Phase. Wir stehen am energiepolitischen Scheideweg: Weiter auf Atomkraft setzen? Nicht mit uns! Wir wollen raus aus einer Technologie, die ein verheerendes Unfallrisiko birgt, den Ausbau Erneuerbarer Energien blockiert und Tausenden Generationen tödlichen Atommüll aufbürdet. Die Skandale um die Endlagerstandorte Asse und Gorleben zeigen: Das Problem des Jahrmillionen strahlenden Mülls ist völlig ungelöst. Dabei sind die Alternativen zur Atomkraft – Erneuerbare Energien, Energiesparen und Energieeffizienz – längst da, sie müssen nur durchgesetzt werden. Wir werden jetzt laut gegen Atomkraft! Wir unterstützen die Aktionen und Kundgebungen für den Atomausstieg am 24.4. in Biblis, in Ahaus und die Aktions- und Menschenkette zwischen den AKWs Brunsbüttel und Krümmel am gleichen Tag! Beteiligt Euch an den Aktionen der Anti-Atom-Bewegung!«

Auch insgesamt wird die Menschenkette von einem breiten Bündnis ganz unterschiedlicher Organisationen getragen. Vom wendländischen Bauern bis zum Manager aus der Branche der erneuerbaren Energien, von der Gewerkschaftsvorsitzenden bis zur Präses der EKD-Synode, von Bürgermeisterinnen bis zu Attac-Aktivisten, von Vertretern großen Umweltverbände bis zu Sprechern kleiner Bürgerinitiativen, von Parteiprominenz bis zu bekannten Künstlern: Alle sind sich einig in ihrer Forderung, dass endlich Schluss sein muss mit der Nutzung der Atomenergie.

»Das ist eines der größten Bündnisse in der Geschichte der Anti-AKW-Bewegung«, freut sich Jochen Stay. »Damit wird deutlich, dass sich eine klare gesellschaftliche Mehrheit für die Stilllegung der Atomkraftwerke einsetzt. Die Bundesregierung sollte einsehen, dass sich der Weiterbetrieb der AKW nicht durchsetzen lässt.«

Abschlussveranstaltungen finden in Brunsbüttel, Brokdorf, Glückstadt, Elmshorn, Hamburg-St. Pauli und Hamburg-Billstedt statt. Am AKW Krümmel werden Kundgebung und Konzert von einem Bündnis von Anti-Atom-Initiativen eigenständig organisiert.

Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) hat in Elmshorn die Verantwortung für einen Streckenabschnitt übernommen, Parteivorsitzender Heinz Stehr ist hier der Koordinator. In der Parteizeitung »Unsere Zeit« ruft er dazu auf, diesen »roten Kilometer« zu unterstützen: »Wir werden mit einem Transparent dabei sein, das knapp 20 Meter lang ist und die Losung hat "Energiekonzerne enteignen - in öffentliches Eigentum überführen - demokratisch kontrollieren - DKP". Jetzt wird in Schleswig-Holstein und auch in Elmshorn vor Ort ein Flugblatt der DKP verteilt, das unter der Überschrift "Abschaltung aller Kernkraftwerke - eins nach dem anderen" und unter anderem den sofortigen Beginn des Ausstiegs, sowie die verstärkte Förderung der Alternativenergien fordert. Die Besonderheit von DKP-politischen Positionen sind sicherlich die Forderung zur Enteignung der Energiekonzerne und das sie unter demokratische Kontrolle zu stellen sind, um damit Voraussetzungen zu schaffen, das gesamte Energieproblem anders als bisher im Interesse der Bevölkerung zu lösen. Das zielt natürlich eindeutig auch gegen die transnationalen Energiekonzerne in dieser Branche.«

 

 
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