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Die Tageszeitung »junge Welt« konterkarierte das scheinheilige Getue zum 13. August 1961, dem »Tag des Mauerbaus«, mit einem für deutsche Verhältnisse provokanten Artikel auf der ersten Seite (http://www.jungewelt.de/2011/08-13/069.php). Die Reaktionen darauf sind interessant. Natürlich gab es in den bürgerlichen Medien einen hysterischen Aufschrei. Ein hetzerischer Artikel in »Die Welt« fand um die 500 Kommentatoren, fast alle mit Schaum vor dem Mund. Das war nicht anders zu erwarten. Die Gazetten des Kapitals haben auch ganz recht, wenn sie schäumen. Da hat man endlich nach vierzig Jahren Mühe die DDR eingesackt und ist den sozialistischen Feind doch nicht losgeworden. Und je mehr der eigene Laden durcheinander und an den Rand des Konkurses gerät, desto frecher wird er wieder, der alte Feind. - Stalinisten! Freiheitsfeinde! »Verbot!« kräht Hubertus Knabe.
Wirklich interessant fand ich aber die Reaktionen in den Kreisen, die man gemeinhin »links« nennt. In der Internet-Zeitung »scharf links« fanden sich z.B. gleich vier Beiträge, die mit junge Welt abrechneten, und zwar in einer Weise, die den bürgerlichen Propagandisten in nichts nachstand. »Die Zeitschrift ist bis heute eine publizistische Plattform der ehemaligen Machthaber der DDR. Sie fanden mit der JW ein in der radikalen Linken einflussreiches Sprachrohr.« (eine Anne Seeck, die für eine »Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus« wirbt). »Die Linke hat einen reaktionären Rand, der sich auszudehnen scheint ... Er klebt an ihr wie Scheiße am Schuh...« ( ein »AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West«). Ein Herr Stanicic, ein entschieden trotzkistischer Revolutionär: »... Empörung ... Beleidigung der Intelligenz der LeserInnen ... die DDR zu keinem Zeitpunkt sozialistisch ... eine antikapitalistische Tageszeitung ... (die) sich das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen zurück wünscht...« Eine »Emanzipatorische Linke« in der PdL (Katja Kipping u.a.): »Wir fordern den Parteivorstand sowie alle verantwortlichen Funktions-und Mandatsträger der Partei DIE LINKE auf, jegliche Zusammenarbeit mit der Tageszeitung „junge Welt" zu beenden.«
Die junge Welt-Provokation hat ein unschätzbares Verdienst. Sie war ein Lackmustest für die »Patchwork-Linke«. Das Ergebnis ist Schwarzrosagrün-Färbung von Leuten, die ansonsten tiefrot daherkommen. Ihr Urteil über die DDR unterscheidet sich in der Substanz nicht von dem der Bourgeoisie. Die Verbrämung mit linken Phrasen ist geschenkt. Auf den Inhalt kommt es an, und das ist der selbe im Springerblatt »Die Welt« und in den »scharf-links«-Beiträgen.
Die »linken« Hubertus-Knaben und -Mädels erinnern mich an einen gewissen Herrn Biermann. Der hat so lange vom Kommunismus gesungen, bis er endlich bei der CDU auftreten durfte. Diese Sorte Karriere muss hart erdient werden. Aber wo ein gemeinsamer Boden ist, findet sich, zumindest für den einen oder die andere, auch ein Weg. Zum Beispiel von der Emanzipatorischen Linken zur Emanzipation von der Linken. Mir scheint, solche Leute wären kein Verlust für die Linke. Ob sie für die FAZ- und taz-Redaktionen oder die Besetzung irgendwelcher Pöstchen im Machtapparat ein Gewinn sein werden, mag die Bourgeoisie selber entscheiden.
Quelle: kritische-massen / RedGlobe
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Kommentare
Es ist ein grundlegendes Menschenrecht, dass Jeder jederzeit jedes Land - auch sein Heimatland - verlassen kann. Kein Staat hat das Recht seine Bürger einzusperren. Staatsbürger sind kein Eigentum der Staatsführung. Feudalismus und Leibeigenschaft sind abgeschafft.
Natürlich gab es Alternativen gegen den Mauerbau: freie Wahlen (die es das erste Mal erst am 18.03.1990 gab). Wenn die Mehrheit des Volkes für eine mauerbauende Partei gestimmt hätte, dann, aber nur dann hätte die Mauer gebaut werden dürfen. Anderenfalls hätte die Mauer nie gegen den Willen der Mehrheit des Volkes gebaut werden dürfen. Und da es in der DDR keine freien Wahlen gab, war die DDR-Führung nicht durch das Volk legitimiert. Die DDR war daher keine Demokratie, sondern eine Diktatur.
Ich gehe davon aus, dass das DDR-Volk die SED-Führung davongejagt hätte, wenn es mit einem Mauerbau-Programm zur Wahl angetreten wäre. Denn kein vernünftige denkender Mensch stimmt freiwillig für seine Einmauerung?
Der Junge-Welt-Artikel hat jedenfalls gezeigt, welch zynische Menschenveracht ung in der Redaktion verbreitet ist. Ich kenne dieses Hetz- und K(r)ampfblatt noch aus der DDR-Zeit. Damals wurde es an meiner Hochschule abschätzig Schütt-Halde nach dem damaligen Chefredakteur Hans-Dieter Schütt genannt. An der abgöttischen Huldigung der DDR-Diktatur durch die Junge Welt hat sich also nichts geändert. Die Junge Welt ist der Beweis dafür, dass Dummheit gegen Verstand und Humanität immun ist.
Die DDR war bürgerlich aufgebaut. Biss 1960 gab es sogar einen Präsident der DDR ( Wilhelm Pieck ). Wirtschaftlich war die DDR nicht kapitalistisch, aber ohne Basis Demokratie gibt es keinen Sozialismus.
In der DDR herrschte Deutscher Chauvinismus, Militarismus und Stalinismus. Die Junge Welt und ihr Artikel Über die Mauer ist eine Schande. Ich will hier nicht die Kapitalistische Demokratie Verteidigen, aber diese anti-Sozialistische DDR Mauer hat mindestens 136 Menschen ermordet. 136 Arbeitern getötet weil sie frei sein wollten.
Der Stalinismus hat den Kapitalismus einen guten dienst erwiesen. Jeder der die DDR als ''sozialistisch'' bezeichnet verstärkt die anti-sozialistische hetze gegen den Sozialismus und Marxismus.
http://www.youtube.com/watch?v=OAFxz1ECna8
Bzw.:
http://www.piratenpartei-stuttgart.de/home/mauer-aktion-der-jungen-union-in-stuttgart/
:-)
MfG,
Martin
Allerdings ist der sogenannte Stalinismus, also die Politik unter Josef W. Stalin, für mich kein Sozialismus, sondern purer Faschismus. DAS ist für mich auch Fakt.
Die junge Welt wollte sich darüber hinwegsetzen, dass sich nur diejenigen Plattheiten leisten können, die zur Zeit die Deutungshoheit über die Geschichte haben. Andere bezahlen dafür mehr, als es ihnen bringt.
Eine - nein, die - deutschsprachig e antikapitalisti sche Tageszeitung, die das nicht verdient hat, wird jetzt erst mal auf eine 50 Jahre alte Niederlage reduziert.
Denn es war eine Niederlage des Sozialismus, etwas tun zu müssen, das ihm wesensfremd ist, weil es keine Alternative zur Mauer gab.
Der letzte Verteidigungsmi nister der DDR, Heinz Keßler, sagt heute 1. "Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben", 2. "Jeder Tote war einer zu viel."
Natürlich sind die Reaktionen von Politikern des rechten Flügels der Linkspartei bescheuert - die haben aber auch nur auf eine Gelegenheit gewartet, weil sie in der jungen Welt schon oft genug namentlich kritisiert worden.
Anmerkung der Redaktion: Stimmt, wir hielten die Formulierung für einen Tippfehler in einer ironischen Formulierung. Sorry! Wir haben's korrigiert...