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junge Welt, die Mauer und interessante Reaktionen | Drucken |  E-Mail
Medien
Geschrieben von: Sepp Aigner   
Donnerstag, den 18. August 2011 um 14:33 Uhr

junge Welt, 13. August 2011Die Tageszeitung »junge Welt« konterkarierte das scheinheilige Getue zum 13. August 1961, dem »Tag des Mauerbaus«, mit einem für deutsche Verhältnisse provokanten Artikel auf der ersten Seite (http://www.jungewelt.de/2011/08-13/069.php). Die Reaktionen darauf sind interessant. Natürlich gab es in den bürgerlichen Medien einen hysterischen Aufschrei. Ein hetzerischer Artikel in »Die Welt« fand um die 500 Kommentatoren, fast alle mit Schaum vor dem Mund. Das war nicht anders zu erwarten. Die Gazetten des Kapitals haben auch ganz recht, wenn sie schäumen. Da hat man endlich nach vierzig Jahren Mühe die DDR eingesackt und ist den sozialistischen Feind doch nicht losgeworden. Und je mehr der eigene Laden durcheinander und an den Rand des Konkurses gerät, desto frecher wird er wieder, der alte Feind. - Stalinisten! Freiheitsfeinde! »Verbot!« kräht Hubertus Knabe.



Wirklich interessant fand ich aber die Reaktionen in den Kreisen, die man gemeinhin »links« nennt. In der Internet-Zeitung »scharf links« fanden sich z.B.  gleich vier Beiträge, die mit junge Welt abrechneten, und zwar in einer Weise, die den bürgerlichen Propagandisten in nichts nachstand. »Die Zeitschrift ist bis heute eine publizistische Plattform der ehemaligen Machthaber der DDR. Sie fanden mit der JW ein in der radikalen Linken einflussreiches Sprachrohr.« (eine Anne Seeck, die für eine »Selbsthilfegruppe Ei des Kommunismus« wirbt). »Die Linke hat einen reaktionären Rand, der sich auszudehnen scheint ... Er klebt an ihr wie Scheiße am Schuh...« ( ein »AK Geschichte sozialer Bewegungen Ost/West«). Ein Herr Stanicic, ein entschieden trotzkistischer Revolutionär: »... Empörung ... Beleidigung der Intelligenz der LeserInnen ... die DDR zu keinem Zeitpunkt sozialistisch ... eine antikapitalistische Tageszeitung ... (die) sich das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen zurück wünscht...« Eine »Emanzipatorische Linke« in der PdL (Katja Kipping u.a.): »Wir fordern den Parteivorstand sowie alle verantwortlichen Funktions-und Mandatsträger der Partei DIE LINKE auf, jegliche Zusammenarbeit mit der Tageszeitung „junge Welt" zu beenden.«

Die junge Welt-Provokation hat ein unschätzbares Verdienst. Sie war ein Lackmustest für die »Patchwork-Linke«. Das Ergebnis ist Schwarzrosagrün-Färbung von Leuten, die ansonsten tiefrot daherkommen. Ihr Urteil über die DDR unterscheidet sich in der Substanz nicht von dem der Bourgeoisie. Die Verbrämung mit linken Phrasen ist geschenkt. Auf den Inhalt kommt es an, und das ist der selbe im Springerblatt »Die Welt« und in den »scharf-links«-Beiträgen.

Die »linken« Hubertus-Knaben und -Mädels erinnern mich an einen gewissen Herrn Biermann. Der hat so lange vom Kommunismus gesungen, bis er endlich bei der CDU auftreten durfte. Diese Sorte Karriere muss hart erdient werden. Aber wo ein gemeinsamer Boden ist, findet sich, zumindest für den einen oder die andere, auch ein Weg. Zum Beispiel von der Emanzipatorischen Linken zur Emanzipation von der Linken. Mir scheint, solche Leute wären kein Verlust für die Linke. Ob sie für die FAZ- und taz-Redaktionen oder die Besetzung irgendwelcher Pöstchen im Machtapparat ein Gewinn sein werden, mag die Bourgeoisie selber entscheiden.

Quelle: kritische-massen / RedGlobe

 


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Kommentare 

 
+35 #11 2011-11-24 06:52
Der Artikel in der "Jungen Welt" war eine menschenveracht ende Verhöhnung der Opfer der Mauer und der Stasi.

Es ist ein grundlegendes Menschenrecht, dass Jeder jederzeit jedes Land - auch sein Heimatland - verlassen kann. Kein Staat hat das Recht seine Bürger einzusperren. Staatsbürger sind kein Eigentum der Staatsführung. Feudalismus und Leibeigenschaft sind abgeschafft.

Natürlich gab es Alternativen gegen den Mauerbau: freie Wahlen (die es das erste Mal erst am 18.03.1990 gab). Wenn die Mehrheit des Volkes für eine mauerbauende Partei gestimmt hätte, dann, aber nur dann hätte die Mauer gebaut werden dürfen. Anderenfalls hätte die Mauer nie gegen den Willen der Mehrheit des Volkes gebaut werden dürfen. Und da es in der DDR keine freien Wahlen gab, war die DDR-Führung nicht durch das Volk legitimiert. Die DDR war daher keine Demokratie, sondern eine Diktatur.

Ich gehe davon aus, dass das DDR-Volk die SED-Führung davongejagt hätte, wenn es mit einem Mauerbau-Programm zur Wahl angetreten wäre. Denn kein vernünftige denkender Mensch stimmt freiwillig für seine Einmauerung?

Der Junge-Welt-Artikel hat jedenfalls gezeigt, welch zynische Menschenveracht ung in der Redaktion verbreitet ist. Ich kenne dieses Hetz- und K(r)ampfblatt noch aus der DDR-Zeit. Damals wurde es an meiner Hochschule abschätzig Schütt-Halde nach dem damaligen Chefredakteur Hans-Dieter Schütt genannt. An der abgöttischen Huldigung der DDR-Diktatur durch die Junge Welt hat sich also nichts geändert. Die Junge Welt ist der Beweis dafür, dass Dummheit gegen Verstand und Humanität immun ist.
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+26 #10 2011-10-25 10:13
Die DDR war nicht Sozialistisch. Seht doch nur ihre Fahne an! Schwarz, Rot, Gold die Farben der bürgerlichen Demokratie, nicht die Fahne der November Revolution oder die der Räte-Bewegung 1918.

Die DDR war bürgerlich aufgebaut. Biss 1960 gab es sogar einen Präsident der DDR ( Wilhelm Pieck ). Wirtschaftlich war die DDR nicht kapitalistisch, aber ohne Basis Demokratie gibt es keinen Sozialismus.

In der DDR herrschte Deutscher Chauvinismus, Militarismus und Stalinismus. Die Junge Welt und ihr Artikel Über die Mauer ist eine Schande. Ich will hier nicht die Kapitalistische Demokratie Verteidigen, aber diese anti-Sozialistische DDR Mauer hat mindestens 136 Menschen ermordet. 136 Arbeitern getötet weil sie frei sein wollten.

Der Stalinismus hat den Kapitalismus einen guten dienst erwiesen. Jeder der die DDR als ''sozialistisch'' bezeichnet verstärkt die anti-sozialistische hetze gegen den Sozialismus und Marxismus.
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-35 #9 2011-08-21 13:37
Alexander: Warum sollte auf John Reed "trotzkistisch" folgen ? Wer übrigens den Text aufmerksam liest, wird schon bemerken, dass das ironisch gemeint war. Damit möchte ich nicht abstreiten, dass Anhänger von Organisationen, ie sich heute auf Troztki berufen, gewöhnlich Revolutionäre sein wollen. Aber was der Typ, auf den ich mich beziehe, von sich gegeben hat, ist primitivste antikommunistis che Hetze und ein einziges Anbiedern an die rechten Sozialdemokrate n in der Linkspartei. So wird man was, aber ganz sicher kein Revolutionär.
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-36 #8 Alexander 2011-08-21 10:43
Warum sollte auf "trotzkistisch" nicht "Revolutionär" folgen? Schon mal die "10 Tage" von John Reed gelesen? Würde ich drinend empfehlen.
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-32 #7 2011-08-19 15:17
...dann interessiert euch sicherlich, was dieses Jahr auf der "Maueraktion" der Jungen Union in Stuttgart abgegangen ist:

http://www.youtube.com/watch?v=OAFxz1ECna8

Bzw.:
http://www.piratenpartei-stuttgart.de/home/mauer-aktion-der-jungen-union-in-stuttgart/

:-)

MfG,
Martin
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-30 #6 2011-08-19 06:42
Als dringend benötigter Intensivpfleger kann ich meine Stelle nicht antreten, da Linkspartei und SPD der ganzen öffentlichen Wohnungsbau verscherbelt haben und ich keine Wohnung finde! Die "Junge Welt" schreibt über so etwas. Der Parteiapperat will es nicht lesen. Nun hat man seinen Vorwand, um die JW abzustrafen...
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-31 #5 2011-08-19 01:51
Es fällt doch auf, dass die Träger der jetzigen Kampagne gegen die Junge Welt identisch sind mit den "Kampagnenführer n" gegen Gaza Flottilie I und II, gegen Dierckes, gegen die Rosa Luxemburg - Konferenz und Kommunismus - Debatte, Internationalis mus und internationale Solidarität. Immer wieder tauchen Namen wie Lederer und Wawzyniak auf, immer feste dabei "BAK Shalom" und Umfeld...Aber wenn wundert das? Leute wie Gysi, Lederer und Wawzyniak, die in jede Talkshow rennen, nie ein kritisches Wort über die staatstragenden Medien verlieren, nein sogar jeden dummen Interviewwunsch erfüllen und gerne auch mal ihre parteiinternen Zwistigkeiten in diesen Medien austragen. Sie fordern den Boykott der Jungen Welt, um sie wirtschaftlich tot machen zu wollen. Sicher auch, weil sie Kritik und wahre Worte nicht vertragen können. Mit dieser Aktion zeigen sie, dass sie weder "demokratisch" noch "sozialistisch" sind! Pfui Teufel!
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-40 #4 2011-08-19 01:11
Also ich kann bei der Titelseite der 'Jungen Welt' keinen Fehler erkennen. Alles, was dort geschrieben steht, ist Fakt. Die meisten Menschen waren eben noch nicht bereit für den Sozialismus und wenn der Kapitalismus lockt, dann gehorcht der durchschnittlic he Mensch. Bevor es also einen neuen Menschen geben konnte, lockte der Kapitalismus und aus dieser Sicht kann man den Mauerbau sogar rechtfertigen. Ohne den Kapitalismus hätte es keine Mauer, keine Teilung Deutschlands, Europas und der Welt und keinen kalten Krieg gegeben. Hochrüsten gehört doch zum guten Ton und dann wurde sich über den Mauerbau aufgeregt? Das riecht nicht nur danach, das IST Doppelmoral.


Allerdings ist der sogenannte Stalinismus, also die Politik unter Josef W. Stalin, für mich kein Sozialismus, sondern purer Faschismus. DAS ist für mich auch Fakt.
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-34 #3 2011-08-18 23:50
Vielleicht war das einfach der falsche Anlass, um mit einer Titelseite, die irgendwo zwischen Ernst und Satire angesiedelt ist, "die Spreu vom Weizen trennen" zu wollen.

Die junge Welt wollte sich darüber hinwegsetzen, dass sich nur diejenigen Plattheiten leisten können, die zur Zeit die Deutungshoheit über die Geschichte haben. Andere bezahlen dafür mehr, als es ihnen bringt.

Eine - nein, die - deutschsprachig e antikapitalisti sche Tageszeitung, die das nicht verdient hat, wird jetzt erst mal auf eine 50 Jahre alte Niederlage reduziert.

Denn es war eine Niederlage des Sozialismus, etwas tun zu müssen, das ihm wesensfremd ist, weil es keine Alternative zur Mauer gab.

Der letzte Verteidigungsmi nister der DDR, Heinz Keßler, sagt heute 1. "Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben", 2. "Jeder Tote war einer zu viel."

Natürlich sind die Reaktionen von Politikern des rechten Flügels der Linkspartei bescheuert - die haben aber auch nur auf eine Gelegenheit gewartet, weil sie in der jungen Welt schon oft genug namentlich kritisiert worden.
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-33 #2 2011-08-18 21:02
Ramon: Da ich der Autor bin zu "trotzkistisch" und "Revolutionär" dies: Ich hatte in meinem Text bei dem Wort trotzkistisch das vordere "t", nunja ... vergessen. Ohne heisst es rotzkistisch. RedGlobe hielt das wohl für einen Schreibfehler und hat stillschweigend "verbessert".

Anmerkung der Redaktion: Stimmt, wir hielten die Formulierung für einen Tippfehler in einer ironischen Formulierung. Sorry! Wir haben's korrigiert...
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