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Marx kommt zurück nach Jena | Drucken |  E-Mail
Schule & Uni
Donnerstag, den 03. Juni 2010 um 07:00 Uhr

Marx 2010! in JenaNa gut, in Wirklichkeit ist er ja nie in Jena gewesen. Aber die Tatsache, dass er 1841 an der Universität Jena mit seiner Arbeit »Zur Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie« in absentia zum Doktor der Philosophie promoviert wurde, war der Universitätsleitung zu DDR-Zeiten immerhin eine Büste mit entsprechender Aufschrift wert. 1989 wurde dann nicht nur die zugegebenermaßen etwas monumentale Büste aus der Uni verbannt, sondern seine Lehren mitsamt Lehrpersonal gleich mit.

Der Versuch, nicht nur Marx, sondern letztlich alles kritische Denken aus den Hochschulen der vergrößerten Bundesrepublik zu verbannen, schien zwischenzeitlich von Erfolg gekrönt. Aber der Totgesagte war nicht tot zu kriegen, und so entwickelte sich nicht erst mit der größten Krise der kapitalistischen Weltwirtschaft seit Jahrzehnten ein neues Interesse am Stammvater des wissenschaftlichen Sozialismus. Vor allem Studierende haben in zahlreichen selbst organisierten »Kapital«-Lesekursen viel Sinnvolles und Aufschlussreiches über die politische Ökonomie gelernt und sind nun oftmals bemüht, ihr neu erworbenes Wissen praktisch anzuwenden. Das ist super, wäre da nicht der Haken, dass vielerorts, neben den zuletzt in Rekordauflage verkauften Orginaltexten, eher Murks statt Marx rüberkommt. Denn selbst ernannte Marx-Kenner nutzten die Gelegenheit, ihre längst vergessen geglaubten, vorgefertigten und oft äußerst unmarxistischen Interpretationen gleich mitzuliefern. Da wird die revolutionäre Theorie schon mal zum rein ökonomischen Erklärungsansatz, der Materialismus mal eben von der Dialektik befreit, das Wertgesetz ins Gegenteil verkehrt und behauptet, im Grunde gehe es ja nicht um die Emanzipation der arbeitenden Menschen von der Klassengesellschaft, sondern um reine Wertkritik. Ach ja, und ein revolutionäres Subjekt gibt es auch nicht mehr, falls es überhaupt je existiert hat.

Damit kommen weder die wissensdurstigen Studies noch die Arbeiterklasse wirklich weiter. Deshalb kamen Aktive der Assoziation Marxistischer Studierender (AMS) in Jena und die Marx-Engels-Stiftung auf den Gedanken, ein paar Sachen wieder gerade zu rücken und aktiv in die jetzt laufenden Diskussionen einzugreifen. Passieren wird das auf der zusammen vorbereiteten Tagung »Marx 2010! Tendenzen aktueller Marxismus-Beschäftigung«, die am 11. und 12. Juni an der Friedrich-Schiller-Universität Jena stattfindet und von der Tageszeitung »junge Welt« und der SDAJ Thüringen unterstützt wird.

Am Freitagabend eröffnet Robert Steigerwald die Konferenz. Am Samstag widmen sich dann Thomas Metscher, Hans Peter Brenner, Erich Hahn, Werner Seppmann, Holger Wendt und Ulf Brandenburg dem Thema von verschiedenen Seiten. Moderiert wird das Ganze von Dr. Seltsam aus Berlin, bekannt u.a. von den jährlichen Rosa-Luxemburg-Konferenzen. In ihren Referaten wird es u.a. um die Frage eines »ganzen oder reduzierten« Marx, um Georg Lukács, Althussers langen Schatten und die Marxsche Krisentheorie gehen. Dabei soll aber nicht nur Kritik geübt werden, sondern vor allem auch Antworten auf die brennende Frage der Zukunftsfähigkeit des Marxismus in den aktuellen Auseinandersetzungen gefunden werden.

Maik Schindler

Weitere Infos gibt’s im Internet: www.ams-marxisten.de
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