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Judith Butlers Zivilcourage | Drucken |  E-Mail
Berlin
Montag, den 21. Juni 2010 um 10:48 Uhr

DKP-queerEinen Eklat nennen die Medien übereinstimmend, was in Berlin beim »großen CSD-Finale« am Sonnabend passiert ist – auch wenn die Veranstalter verständlicherweise genau davon nicht sprechen wollen. Doch nach der Laudatio von Grünen-Fraktionschefin Künast auf die weltberühmte feministische Philosophin Judith Butler verweigerte diese die Annahme des  »Zivilcourage-Preises«, den ihr das lokale schwule Establishment zugedacht hatte. Stattdessen distanzierte sich Butler, deren Name untrennbar mit der Queer Theory verbunden ist, bei der Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor mit deutlichen Worten von der Oberflächlichkeit und dem kommerziellen Charakter der Parade und solidarisierte sich nachdrücklich mit dem Kampf der queeren Migrantinnen und Migranten Berlins gegen den immer unverhohlener zutage tretenden Rassismus einiger in der Stadt tonangebender Homo-Funktionäre.

Sie schlug vor, den Preis lieber an den Verein GLADT zu vergeben, in dem überwiegend türkeistämmige Lesben, Schwule und  Trans*-Personen organisiert sind. Der revanchierte sich mit einer Presseerklärung, in der es heißt: »Wir gratulieren Judith Butler zu dieser Entscheidung, die einen praktischen Akt der Zivilcourage darstellt.«

Eine CSD-Sprecherin  klagt: »Wir hatten keine Zeit, uns ausführlich mit ihr zu unterhalten.« Aber Berliner Freundinnen und Freunde Butlers, die sich im Vorfeld genau über die Verhältnisse vor Ort hatte informieren lassen, waren von ihr bereits am Freitag eingeweiht worden, und so hatten sich Aktivistinnen und Aktivisten von GLADT und von den Schwarzen Lesben (LesMigraS) rechtzeitig zur Bühne vorgekämpft. Ihr Fest ist allerdings der linke Transgeniale CSD (t-csd), der im Gegensatz zu dem Mainstream-Spektakel tatsächlich in der Tradition von Stonewall steht und deshalb neben jungen Leuten auch die  »Veteraninnen und Veteranen« der Bewegung anzieht, die sich nicht auf den würdelosen Weg in die sogenannte »Mitte der Gesellschaft« begeben haben.

So viel politisches Bewusstsein galt zuletzt nicht gerade als hip. Das könnte sich durch den gestrigen Eklat ändern: Judith Butler jedenfalls rief zur Teilnahme am diesjährigen t-csd auf. Er beginnt am nächsten Sonnabend, den 26.Juni, um 14 Uhr am Rathaus Neukölln und endet mit einem großen Straßenfest rings um den Kreuzberger Heinrichplatz.

Salih Alexander Wolter, DKP-queer


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