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»Verhafteter« Gaddafi-Sohn taucht im Zentrum von Tripolis auf | Drucken |  E-Mail
Libyen
Dienstag, den 23. August 2011 um 08:28 Uhr

Von Anhängern umjubelt: Saif Al-IslamSchock für Rebellen und westliche Reporter im Zentrum von Tripolis. In der vergangenen Nacht erschien der angeblich von den Rebellen verhaftete Saif Al-Islam, einer der Söhne von Staatschef Muammar Al-Gaddafi, Medienberichten zufolge am Hotel Rixos, wo die ausländischen Journalisten in der libyschen Hauptstadt untergebracht sind. Gestern hatte es noch geheissen, dieses Hotel sei von den Rebellen umstellt. Gegenüber dem Sonderkorrespondenten des lateinamerikanischen Fernsehsenders TeleSur in Tripolis, Rolando Segura, versicherte Saif Al-Islam, sein Vater befinde sich nach wie vor in Tripolis. Ausserdem dementierte er Berichte, wonach die Rebellen mehr als 80 Prozent der Hauptstadt unter ihrer Kontrolle hätten. Tatsächlich leisteten die Regierungstruppen den Aufständischen an zahlreichen Punkten der Stadt Widerstand, bestätigte auch Segura.

Gegenüber dem US-Fernsehsender Fox News erklärte Saif Al-Islam, die Regierungstruppen hätten die Aufständischen in eine Falle gelockt und würden nun zerschlagen. »Ja, er (Muammar Al-Gaddafi) ist in Tripolis, er lebt und wir gewinnen!« Die unabhängige Journalistin und Bloggerin Lizzie Phelan, die sich ebenfalls in der libyschen Hauptstadt aufhält, berichtete gegenüber dem russischen Fernsehsender Russia Today, das Auftauchen Saif Al-Islams habe eine spontante Kundgebung Tausender Regierungsanhänger ausgelöst. Man müsse auch die anderen Siegesmeldungen des »Übergangsrates« der Rebellen mit grosser Vorsicht aufnehmen.

»Den Schusswechseln nach zu urteilen sind die Kräfte der Rebellen mal näher und mal weiter von unserem Gebäude entfernt«, kommentierte TeleSur-Korrespondent Segura, der sich mit 37 weiteren Kollegen im Hotel Rixos verschanzt hat, um sich vor den Kämpfen in der Stadt in Sicherheit zu bringen. Es sei deshalb sehr schwierig, über die reale Lage zu berichten, räumte der Korrespondent ein. So sei die Stromversorgung den ganzen gestrigen Tag ausgefallen, aber am Abend wiederhergestellt worden. In den von den Regierungstruppen kontrollierten Stadtvierteln käme es weiterhin zu Bombenangriffen durch die NATO, berichtete Segura. Das Auftauchen von Saif Al-Islam in Tripolis ändert nach seiner Ansicht nicht die Gesamteinschätzung der Lage, dementiert jedoch Berichte über seine Festnahme.

Behördenvertreter und Bedienstete hätten das Hotel verlassen, so dass sich dort nur noch die Journalisten aufhielten, berichtet Segura. Allmählich werde Trinkwasser und Lebensmittel knapp. Man könne das Hotel jedoch nicht verlassen, da es sehr nahe Kämpfe gäbe, so Segura. Auf den Strassen sei kaum noch Verkehr und die meisten Geschäfte seien geschlossen. Die Bewohner hätten sich in ihren Wohnungen verschanzt. In einigen Vierteln sei es zu Übereinkünften zwischen beiden Seiten gekommen, um die jeweilige Gegend nicht in Mitleidenschaft zu ziehen.

Die Journalistin und Friedensaktivistin Susan Landauer sagte Russia Today, Freunde von ihr in Tripolis seien auf dem Fahrrad durch die Stadt gefahren. Es habe dort keine Feiern gegeben, die Menschen hätten sich vielmehr in ihren Häusern verschanzt. Die Konvois der Rebellen seien durch leere Strassen gefahren. »Die Feiern, die ihr gesehen habt, waren auf den Grünen Platz beschränkt«, habe ihr der Freund berichtet.




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